13. August 2018   

Songs of Courage in der FAZ

FAZ, 13.08.2018

„Es sind raue Zeiten, da fühlen sich auch Jazzmusiker wieder bemüßigt, sich politisch zu positionieren. Die Berliner Sängerin Esther Kaiser hat gleich ein ganzes Album mit „Songs of Courage“ (GLM/ Soulfood) herausgebracht. Makellose und aufregend neu klingende Interpretationen von Brecht („An den kleinen Radioapparat“) bis John Farnham („You ´re the voice“, dürfte nicht nur die Jazzgemeinde entgeistert als politisches Lied entdecken) hat sie aufgenommen, von Klassikern wie „Where have all the flowers gone“ bis zu modernen Entfremdungsliedern wie „This is not America“ von David Bowie und Pat Metheny ist alles dabei, sogar ein „Song of Resignation“ -  das ablehnendere „Revolution“ der Beatles, das John Lennon später wütend gegen seinen ursprünglichen Sinn interpretierte - hat es zum Glück auf die Platte geschafft. Kaiser ist nicht nur eine Sängerin, die jedem Lied dank ihrer ruhigen, aber spektakulär schimmernden Stimme ein individuelles Gewand verpassen kann, sie hat auch eine Songdienlich agierende Band an ihrer Seite, von der man zumindest den hervorragenden Bassisten Marc Muellbauer einmal erwähnen sollte. Er halt die fragile und transparente Musik des um zwei nach Deutschland geflüchtete Musiker erweiterten Sextetts immer am Boden.“ (roth)